Diesmal mit haufenweise spannendem Lesestoff, Podcast-Empfehlungen und der Frage, ob nachhaltige Bloggerei oder müllfreie Festivals überhaupt möglich sind.

Leder, Sinnfluencing und grüne Blogger

Wie nachhaltig veganes Leder wirklich sei, fragt Franziska von den Fashion Changers. Ich habe selbst darüber geschrieben, wie ich zu dem Thema stehe, doch Franziska geht noch viel tiefer rein: sie interviewt eine angehende Textilingenieurin und Materialexpertin und stellt direkt gegenüber, wie nachhaltig Lederimitate im Bezug auf Materialeigenschaften und Kreislauffähigkeit sind. Sehr informativ und aufschlussreich!

Und mit den Fashion Changers geht es auch direkt weiter: Franzi schreibt über die Herausforderung, vom „sinnfluencen“ und ethisch korrektem Bloggen leben zu können. Denn: die wenigsten Blogs werden inzwischen rein als Luft- und Liebe-Projekte betrieben, dazu fließt einfach zu viel Zeit in die Erstellung von Content und die Betreuung der Social-Media-Kanäle. Neben einem regulären Vollzeit-Job ist es schwer, wirklich gut recherchierte Artikel zu produzieren, daher wächst das Bloggen seit einigen Jahren vielerorts vom Hobby in die Professionalität. Entscheidet man sich gegen eine Festanstellung oder reduziert Stunden, muss dieser Verdienstausfall finanziell kompensiert werden. Möglichkeiten gibt es viele. Eine der naheliegendsten sind zweifellos Kooperationen, und genau hier setzt das Problem auch an: wie nachhaltig ist es, seinen Lesern mindestens einmal in der Woche ein Produkt oder eine Dienstleistung werblich vorzustellen? Wenn auch mit Mehrwert? Darf man als „green blogger“ Affiliate-Links nutzen? Und wenn ja, dann aber nicht die gut bezahlen von Amazon?
Es ist schwierig. Und ähnlich wie Franzi komme ich zu keiner wirklichen Lösung. Daher arbeite ich derzeit wieder in Vollzeit (allerdings auch „nur“ 38 Stunden) und komme beim Blog gerade mal etwas über die Deckung der Selbstkosten. Zur Transparenz: 2019 belaufen diese sich circa auf 500€. Der größte Posten ist hierbei Photoshop.

Auch „Mehr als Grünzeug“-Bloggerin Jenny geht in eine ähnliche Richtung und schreibt über die Problematik, als Green Blogger Greenwashing zu promoten. Es wird immer schwerer, als Verbraucher überhaupt zu identifizieren, ob eine Firma wirklich grün und fair ist, oder deren Marketing nur das Nötigste tut. Derzeit ist es schwer angesagt, neben den konventionellen Produktlinien eine anzubieten, die es besser macht. Fürs (grüne) Marketing ein echter Gewinn! Leider aber oft Augenwischerei, wenn es darum geht, wirklich Prozesse zu ändern. Ein aktuelles Beispiel, das man diskutieren kann, wäre da die Converse REnew-Reihe oder auch die „Zweite Chance“ von Ikea.

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Preiswucher bei Öko-Test-Siegel

Siegel bieten für viele Verbraucher einen guten Anhaltspunkt im Produktedschungel. Was viele gar nicht wissen: die Zertifizierung ist für die Hersteller aber eine ziemlich teure Sache. Für kleinere Produzenten ist die kaum mehr zu stemmen, i+m Naturkosmetik neulich berichtete. Das „Öko-Test“-Siegel legte eine Preissteigerung um 643,75% hin – von 800€ auf 5.950€. Wahnsinn!

 

#Greenwacken

Sommerzeit ist für viele Festivalzeit. Worüber oft weniger gesprochen wird, ist wie die Besucher die Plätze hinterlassen. Vor kurzem wurde dies vermehrt unter dem Hashtag #Greenwacken thematisiert. Denn leider ist es trotz der letzten alarmierenden Berichte, in welchem Zustand unsere Umwelt ist immer noch so, dass Festivalgelände teilweise nach der großen Sause einer Müllhalde gleichen. Sogar komplette Tiefkühltruhen, Sofas und anderweitige Möbelstücke werden einfach zurückgelassen. Ganz zu schweigen von massenweise Abfall und vergammelten Lebensmitteln. Besucher des Wacken, eines der bekanntesten und größten Heavy-Metal-Festivals begannen, ihre sauberen und ordentlich hinterlassenen Bereiche zu zeigen und versuchten mehr in den Fokus zu rücken, wie Besucher das Gelände hinterlassen (sollten). Finden wir wunderbar und wichtig!

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Nestlés Versuch, nachhaltiger zu werden

Dass die Kaffeekapseln aus Alu keine umweltbewusste und nachhaltige Angelegenheit sind, wissen wir alle. Nestlé stellt jetzt aus recycelten Kapseln ihrer Produkte Fahrräder her. Bald sollen erst einmal 1000 Stück auf den Markt kommen. Kostenpunkt: Über 1200 Euro. Eher … naja. Eigentlich gäbe es unzählige andere wichtige Punkte, bei denen Nestlé versuche könnte, nachhaltiger und vor allem fairer zu werden. Da reißen es Fahrräder aus recycelten Material auch nicht heraus und das ganze wirkt vorgeschoben und von den eigentlichen brisanten Themen ablenkend.

 

#grünerlesen & Lieblingspodcasts

Derzeit auf dem Nachtkästschen: der „Palmöl-Kompass“, „Eine andere Welt ist möglich – Aufruf zum zivilen Ungehorsam“ und ganz bald auch die aktelle Ausgabe der t3n. Unter dem Motto #techforfuture thematisiert sie die möglichen Auswirkungen der Digitalisierung auf den Klimawandel.
Wo ein Technikmagazin klare Zukunftschancen sieht, propagieren viele andere Medien unter reißerischen Überschriften in letzter Zeit den immensen Anstieg von CO₂ durch Streaming & Co. Insofern kommt das Thema rund um digitale Energieinfrastrukturen, die dabei helfen können, von fossilen Kraftwerken auf Solaranlagen in der Nachbarschaft umzustellen; von digitale Geschäftsmodellen, die intelligentes Recycling von Abfall und Rohstoffen ermöglichen und von komplexe Apparaturen, die CO₂ direkt aus der Atmosphäre filtern, genau zur rechten Zeit. Das Heft erscheint kommenden Mittwoch.
Auch bei Podcasts bleibt das Thema Bücher und Lesestoff präsent: sehr gerne höre ich „Stories“, einen Berliner Podcast mit ausführlichen Buchvorstellungen und Interviews mit den Autoren. Neu entdeckt habe ich zudem „Das perfekte Buch“ von Deutschlandfunk, das in knappen 5 Minuten ebenfalls neue Titel vorstellt. Rezensionen mal ganz anders! Der perfekte Podcast, wenn „…du auf der Suche nach samtweicher Stimme, Hörspielcharakter und neuem „Out Of The Box“-Lesestoff bist.“

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