DIY

Seifensieden für Anfänger

Die "kleine Meerjungfrau", bestehend aus Arganöl, Mangobutter, Jojoba- und Olivenöl, beduftet mit einem typischen "Frische Wäsche"-Duftöl und gefärbt mit der Seifenfarbe "Peach".

Die „kleine Meerjungfrau“, bestehend aus Arganöl, Mangobutter, Jojoba- und Olivenöl, beduftet mit einem typischen „Frische Wäsche“-Duftöl und gefärbt mit der Seifenfarbe „Peach“.

Wenn man sich mit dem Thema Naturkosmetik beschäftigt, stößt man früher oder später auf Seifen am Stück. Egal ob naturnah wie bei Lush oder komplett natürlich wie bei Alverde & Co – Seifen eignen für viele Einsatzbereiche, sind dabei unheimlich ergiebig und verursachen meist auch nur wenig Verpackungsmüll. Für Haare, Hände, Gesicht und den ganzen Körper gibt es die verschiedensten Variationen für diverse Einsatzzwecke. Nachdem ich auf Selbstmachportalen wie DaWanda oder auf Märkten auch oft Produkte von kleinen Manufakturen gesehen (und bewundert) habe, wollte ich mich gerne auch mal selbst im Herstellen versuchen.
Das Prinzip schien einfach: das Grundrezept besteht nur aus Öl und Lauge, die miteinander auf höchst chemische Art und Weise reagieren und verschmelzen und tadaa, hat man ein Körperpflegeprodukt. Auch wenn Chemie nie eines meiner Steckenpferde war, reizte mich die Idee des Selberrührens und Siedens sehr und so habe ich mich erstmal mit Hilfe eines Buches genauer in den Herstellungsprozess und verschiedene Rezepte eingelesen.

 

Naturseife - das reine Vergnügen | Buch von Claudia Kasper

Naturseife – das reine Vergnügen | Buch von Claudia Kasper

 

Ein hübsch gemachtes Buch mit vielen tollen Rezepten, aber letzten Endes entschied ich mich für eine leichte Abwandlung. Ich hatte noch verschiedene Öle daheim vorrätig, welche ich aufbrauchen wollte. Um die korrekte Menge der Lauge zu berechnen, gibt es ein sehr hilfreiches Tool online: den Seifenrechner. Hier gibt man ein, von welcher Sorte Öl man wieviel vorrätig hat und ein ausgewogenes Mischverhältnis wird berechnet – funktioniert super!

Das Prinzip ist einfach und für die Seifenherstellung benötigt man nicht viel:

 

  • Fette und Öle
  • Natriumhydroxid (NaOh) für die Lauge
  • destilliertes Wasser (Fortgeschrittene nehmen auch gerne andere Flüssigkeiten, z.B. Milch oder Hydrolate)
  • nach Wahl: Duftzusätze in Form von ätherischen Ölen, Farbpigmente (unbedingt darauf achten, dass sie ungiftig sind! Im Notfall geht auch Lebensmittelfarbe), getrocknete Kräuter, Blumen….
  • einen alten, ausgedienten Topf
  • ein feuerfestes Behältnis zum Ansetzen der Lauge
  • einen Löffel zum Rühren
  • Pürierstab oder Handmixgerät (am besten auch alt und ausgedient, ansonsten muss er danach extra aufmerksam gereinigt werden)
  • eine Waage
  • Schutzmontur – eine Brille, feuerfeste Handschuhe (Lauge ätzt!) und ein altes, langärmliges T-Shirt oder ähnliches
  • Formen zum Eingießen der Seifenflüssigkeit

Ich habe auf dem Flohmarkt günstig zwei alte Emaille-Kochtöpfe und ein stabiles Plastikgefäß erstanden. Auch wenn man alle Gerätschaften hinterher nach ordentlicher Reinigung regulär weiter benutzen kann, wollte ich lieber kein Risiko eingehen.
Da meine Seifen als Geschenke dienen sollten, habe ich außerdem Gussformen für Seife bestellt.. Genauso eignen sich aber auch alte Tupperboxen, leere Behälter von Eis oder aufgeschnittene Tetrapacks. So bekommt man dann einen Seifenblock, den man in Scheiben schneiden kann.

 

[huge_it_gallery id=“2                                            „]

 

Der eigentliche Vorgang des Siedens nimmt zwar einige Zeit in Anspruch, ist aber ganz einfach. Zunächst schmeißt man sich in die Schutzmontur – je nach Größe des Respekts vor der Lauge, meiner war recht groß und dementsprechend war ich mit Handschuhen und Schutzbrille ausgestattet.
Dann wird die Lauge in dem feuerfesten Gefäß angesetzt und alle Öle werden im Topf ggf. verflüssigt und zusammengerührt. Im Anschluss wird die Lauge hinzugefügt und dann heißt es Rühren, Rühren, Rühren, bis beide Phasen schließlich dickflüssiger werden und der sogenannte Seifenleim entsteht. In diesen gebt ihr dann – je nach Geschmack – weitere Zusatzstoffe wie Farbe oder Duft.

Der gezeigte Versuch war mein erster und ist nun auch schon etwas her. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich noch keinen besonderen Wert auf die Natürlichkeit der Inhaltsstoffe gelegt, deswegen seht ihr bei meinen Zutaten auch Farbstoffe und Parfumöle, die ich heute nicht mehr einsetzen würde. Es hat zwar sehr gut funktioniert, lässt sich aber auch einfach durch natürliche Alternativen ersetzen: Pigmente oder auch Gewürze für die Farbgebung, getrockene Kräuter und Blumen für die Optik, Salz- oder Zuckerpartikel für ein leichtes Peeling, ätherische Öle für den Duft… es bieten sich dutzende Möglichkeiten.

Sind alle Zusatzstoffe zugefügt, wird noch einmal kräftig durchgerührt, bevor man die Seife vorsichtig in die Formen gießt. Im Anschluss muss die Seife einige Wochen ruhen und reifen – der Verseifungsprozess findet nun statt, die ehemals scharfe Natronlauge reift aus, und der Seifenleim wird zu richtiger Seife. Gerade beim Verschenken ist ganz wichtig, dass man hier nicht ungeduldig wird, denn die Seife braucht ihre Zeit. Ich habe meine 2 Monate vorher gesiedet und pünktlich zum Fest hübsch und atmungsaktiv verpackt und ein Zettelchen mit den Inhaltsstoffen beigefügt – ebenfalls ganz wichtig, nicht, dass das Gegenüber auf einen Inhaltsstoff allergisch reagiert.

 

SONY DSC

Hier seht ihr meine blutroten Bäumchen und Tröpfchen, bestehend aus Rizinus-, Traubenkern- und Olivenöl, beduftet mit „Pomegranate Noir“, gefärbt mit – offensichtlich 😉 – roter Seifenfarbe.

 

SONY DSC

Die keltischen Seifen, bestehend aus denselben Ölen wie die Meerjungfrauen, beduftet mit „Figs & Brown Sugar“.

 

Ich war mit meinem Erstversuch sehr zufrieden und die Seifen kamen bei den Empfängern auch sehr gut an. Ich habe seitdem schon ein weiteres Mal gesiedet, mit exotischeren Zutaten (…pürierte Gurke klang so gut, wurde aber etwas sonderbar 😀 ) und bin der Siederei schon ein wenig verfallen, denn es macht wirklich Spaß und ist mit einfachen Mitteln umzusetzen. Es müssen nicht immer exotische und teure Öle sein, im Prinzip reicht auch ein Einkauf im Supermarkt völlig aus. Mir macht es einfach Spaß, mit verschiedenen Inhaltsstoffen herumzuexperimentieren und am Ende etwas in der Hand zu haben, dass man tatsächlich benutzen kann.

Falls ihr auch Lust aufs Sieden bekommen habt, nenne ich euch hier noch ein paar Bezugsquellen: Öle und Rohstoffe kaufe ich bei Behawe oder MacSoapy und Duftöle und exotischere Zutaten gibt es bei Dragonspice. Eine sehr viel einführlichere und auch viele weiterführende Anleitungen gibts bei der Selbstrührerei.
Das Seifensieden hat mich so richtig auf den Geschmack des Selbstrührens von Kosmetika gebracht – so stelle ich inzwischen auch meinen Selbstbräuner selbst her und habe noch einige weitere Rezepte gesammelt, die ich bald gerne ausprobieren möchte…

Habt ihr schon mal Kosmetika selbst hergestellt? Reizt euch das Thema oder findet ihr es komfortabler, fertig im Laden zu kaufen?

 

Merken

Merken

Merken

Merken

You Might Also Like

vorheriger Post
nächster Post

3 Comment

  1. Reply
    Pandas Mum
    4. Dezember 2016 at 16:09

    Wow! Die sehen so schön aus 🙂 Ich mische auch gerne selber, aber an Seife habe ich mich noch nicht getraut. Meistens gibts bei mir nur ganz einfache Ölmischungen oder Badesalz. Deocreme habe ich auch schon gemacht.
    Liebe Grüße

  2. […] Verpackung auch super für zerowaste- und Plastikfrei-Freunde 🙂 Ich bin, seit dem ich selbst welche gesiedet habe, großer Seifenfan und widme dem Thema daher heute einen ganzen Post. Zum Händewaschen oder […]

  3. […] schon ordentlich abgespeckt habe) und will mich seit Jahren an der Kosmetik-Herstellung abseits vom Seife sieden versuchen – hier hat mich bisher aber tatsächlich der Faktor, die verderblichen Rohstoffe […]

Schreibe einen Kommentar

Mit der Nutzung dieses Formulars erklärst du dich mit der Speicherung und Verarbeitung deiner Daten durch diese Website einverstanden.