Lesestoff

Sommerlektüre 2017

Da es für mich dieses Jahr erst recht spät in den Urlaub geht, dieser – trotz September-Wetter! – aber hoffentlich zum Großteil aus „Im Strandkorb ein gutes Buch lesen“ besteht, zeige ich euch heute einige diesjährige Lieblingsbücher zum entspannten Schmökern.

Alle gezeigten Bücher hab ich natürlich schon vor den Ferien gelesen – meinen Urlaubsstapel seht ihr am Ende dieses Posts 😉  Ja, ein Stapel. Bücher müssen für mich aus Papier sein – auch wenn ich natürlich die Vorteile eines ebook-Readers, gerade beim Reisen, schon sehe…

 

Wir sehen uns morgen – von Tore Renberg

Ein Buch, das mich schon in der Buchhandlung gleich anhand seines tollen Covers ansprang. Ein bisschen abgerockt und irgendwie wohl etwas mit Glück (darauf schließe ich aufgrund des Piks), noch dazu ausreichend dick, um in der Geschichte versinken zu können.

„Wir sehen uns morgen“ erzählt die Geschichte verschiedener Protagonisten. Da ist das fünfzehnjährige, unsichere Teenie-Mädchen, dass unbedingt geliebt werden will. Ein alleinerziehender Vater, der der Spielsucht verfällt und die Existenz seiner Familie gefährdet. Da ist das Geschwisterpaar, von kleinauf auf sich selbst gestellt und nicht unbedingt gesetzestreu. Existenzen am Rande der Legalität, vom Schicksal gebeutelt, deren Erzählstrange paralell gewebt werden und manchmal aufeinander zu, manchmal voneinander weg laufen. Ein bisschen Bernemann, nur weniger rotzig und rebellisch, sprachlich deutlich erwachsener.
Die Geschichte bleibt die gleiche – vom Leben, vom Suchen nach Liebe, von Existenzangst und vor allem vom Scheitern. Man leidet mit den scharf gezeichneten Charakteren, die man manchmal einfach nur an den Schultern packen und schütteln möchte, aufgrund der Entscheidungen, die sie treffen. Menschliche Abgründe, vortrefflich beleuchtet und erzählt.

Die Ruhe weg – von Eva Sichelschmidt

Ein bisschen Großstadt, ein bisschen Krise – klingt nach einem Roman, der mir gefallen könnte.

Wir beginnen mit ein wenig Klischee – „Neospießbürgerlichkeit“ in Berlin, zwischen Hipstermuttis mit undone Hair und Trend-Kinderwagen, dem immer neuesten Scheiß und dem an sich doch immer gleichen Trott. Da muss mehr gehen, findet Protagonisten Marlies. Berlin, ihre Reinform der Erfüllung des Lebensmottos „No Regrets“, entpuppt sich nach und nach doch als kleinbürgerliches Leben mit einem bierbäuchigen, immer nur schlafenden Partner, dem Ex-Musiker, der damals auf der Bühne doch so attraktiv gewesen war… Auch die Affäre, die Marlies sich gönnt, endet unerfreulich und so gibt es wenig mehr, dass sie hält, als ein attraktives Jobangebot ins Haus flattert. Neues Land, neue Beschäftigung – neues Leben? Lässt sich dem Trott durch einen Tapetenwechsel wirklich so einfach entfliehen – ist er rein umfeldbedingt?

 

Junktown – von Matthias Oden

Ich liebe Dystopien. Bisher hier wenig thematisiert, aber neben Sachbüchern lese ich unglaublich gerne Zukunftsvisionen aller Art – meist einer düsteren, oft einer realistischen, in vielen Fällen einer erschreckenden, manchmal auch einer fantastisch angehaucht.

Egal ob als Buch, Film, Serie oder Hörspiel – dieses Genre hat mich gefesselt und ich würde fast behaupten, sie alle konsumiert zu haben, Dark-Romance-Schmonzetten einmal außen vor gelassen.

Kein Wunder also, dass „Junktown“ sofort auf der Leseliste landete. Habe ich in letzter Zeit schon Dystopien gelesen, in denen die härteste Droge Chilipulver („Finnisches Feuer“) war oder das Essen stigmatisiert wurde („Epidemie“), schafft Matthias Oden hier ein ganz neues Szenario: „Abstinenz ist Hochverrat! Der Konsum von Rauschmitteln ist Pflicht!“

Erschreckend. Aber Oden zeichnet das Bild einer verrohten, abgestumpften, gelangweilten Gesellschaft – „overfucked and underwhelmed“.

In Junktown ist der Konsum von Drogen oberste Bürgerpflicht und wird von der machthabenden Einheitspartei auch strengstens überwacht. Der Bürger, so scheint es, soll erst gar nicht auf die Idee kommen, klar denken zu wollen – denn das führt ohnehin zu nichts mehr. Protagonist Solomon Cain, der als Ermittler bei der Polizei arbeitet, mogelt sich mit einem Mindestmaß an Konsum gerade so durch, als er auf einen neuen Fall angesetzt wird: eine „Brutmutter“, wie die Gebärmaschinen in Junktown genannt werden, wurde brutal ermordet – und vorher vergewaltigt. Wie geht das bei einer Maschine, ist die Frage, die sich der Leser stellt, der sich durch eine Schilderung hangelt, die absurder nicht sein könnte. In Odems Szenario sind intelligente Maschinen den Bürgern gleichgestellt und haben dieselben Rechte. Altbekannt kommt dem Leser höchstens der Bürokratie-Dscungel vor, durch den Cain sich kämpfen muss, und in Ansätzen auch die allgegenwärtige Überwachung.

Ein Buch, dessen Thematik abstößt. Aber fasziniert. Das Dystopie-Fans durch seinen pervertierten Ansatz mitreißt, auch wenn Verlauf und Sprache an manchen Stellen etwas schwächeln. Zumindest mir ging es so, dass ich mich aber der Mitte teilweise etwas aufraffen musste, weiterzulesen. Der Zugang zur Story wird im Verlauf des Buches insofern immer weiter erschwert, weil er immer absurder und kränker wird. Dennoch eine Gesichte, deren Thematik hängen bleibt und zu denken gibt. Künstliche Intelligenz ist schon jetzt weit fortgeschritten und wer weiß schon, wohin sich all das noch entwickeln wird?

 

Der Lauf des Lebens – von Mona Jaeger

„Von Anfängen, Aufstiegen, Abstiegen und vom Ende – kurz: vom Menschsein.“ Man sieht Paul, und man sieht Anna. Die beiden kennen sich nicht, dennoch teilen sie eine Geschichte: die vom ersten Schultag. Vom ersten Kuss. Der ersten Krise. Dem ersten Job, und den vielen, die danach kommen sollen. Von unbändiger Freude, und von tiefen Verletzungen. Von der Angst, nicht gut genug zu sein für dieses Leben, vom Eingestehen des eigenen Scheiterns, der eigenen Ohnmächtigkeit. Von Höhen und Tiefen, und schließlich: vom Ende.

Es fällt schwer, ein solches Buch in eigene Worte zu fassen, ist er doch vor allem ein literarisches Kunstwerk und lebt aus sich selbst heraus, ohne die Handlung in den Vordergrund zu stellen.

„Der Lauf des Lebens“ ist ein stiller, zurückhaltender Roman, der jedoch mit einer Intensität und Wucht anhält, die in Teilen noch Tage nach der Lektüre nachklingen. Ein Buch, das, ähnlich einem guten Wein, erst einmal atmen und wirken muss, um seine volle Strahlkraft zu entfalten. Ein Buch, das eher zum Herbst passt als in den Sommer: man sollte es mit Zeit und Muße lesen, um seinen Nachhall nicht zu verpassen.

Wie ihr schon seht, lese ich nicht wirklich genrespezifisch, sondern absolut queerbeet. Es darf anspruchsvoll sein, aber auch mal profan.
Weitere Bücher, die eher in die sachliche Richtung gehören, habe ich mir eher für den Urlaub aufbewahrt. Da habe ich einfach mehr Kopf, mich mit neuen Themen zu beschäftigen als im Alltag, was ich sehr schade finde – Lesen muss einfach sein, und auch gerne (und öfter!) mehr als einige Blogartikel. Auch wenn ich diese natürlich auch liebe und kleinere Informationshäppchen oft leichter verdaulich sind 😉

 

Was waren eure Bücher im Sommer 2017? Lese-Anregungen sind immer gerne gesehen!

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