DIY

Upcycling mit Kreidefarbe

Jeder Student kennt es: die erste Einrichtung kommt oft ziemlich zusammengewürfelt daher, aus günstig geschossenen Ikea-Teilchen, Kleinanzeigen-Schnäppchen, der geerbten Kommode von der Oma oder gar illegal mitgenommenem Sperrmüll 😉
Eine klare Linie reinzubringen oder wenigstens einen ästhetischen Grundanspruch zu befriedigen, fällt oft schwer. Doch mit Selbermachen und Upcyceln bietet sich doch noch die ein oder andere Option, Einrichtungsgegenstände etwas aufzumöbeln – im wahrsten Sinne des Wortes 😉
Bei größeren Projekten schreckt man aber oft zurück, weil schon die Vorbereitung ziemlich zeit- und kostenintensiv sein kann.
Beispiel: Möbel anstreichen. Um das gescheit zu machen, muss eigentlich immer erst der alte Lack abgebeizt, und das Teil komplett abgeschleift werden. Dazu braucht man schonmal einen Grundstock an Material und oft vergeht einem auch mittendrin die Lust. Ich wollte zum Beispiel mal ein großes Palettenmöbel basteln, aber nach 3 abgeschleiften Paletten, die sehr stark gesplittert haben, hatte ich einfach keinen Nerv mehr…

Lange Rede, kurzer Sinn: ich zeige euch heute eine geniale Farbe, die ohne all‘ diese Schritte auskommt!

 

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Und zwar die Kreidefarbe. Sie hat den Vorteil, auf unbehandeltem Untergrund genutzt werden zu können, und macht somit die aufwändige Vorbereitung hinfällig. Sucht man nach Kreidefarbe, ist die Produktriege von „Annie Sloan“ die erste, auf die man aufmerksam wird, und auch haufenweise wunderschöne Vorher-Nachher-Fotos findet. Einen Nachteil hat die unglaublich modular einsetzbare Farbe aber: sie ist ziemlich teuer, nicht in hiesigen Baumärkten verfügbar, und schenkt man dem Hersteller Glauben, ist es mit dem Pott Farbe auch nicht getan – mindestens 2 Nuancen sollten es sein, um den beliebten Shabby-Effekt umsetzen zu können, außerdem passende Pinsel, Werkzeuge, etc, und drüber muss auch noch ein spezielles Möbelwachs. So zahlt man für eine – zugegebenerweise tolle! – Upcyclingmöglichkeit sogar mehr, als das Möbelstück im Zweifelsfall (Sperrmüll…) gekostet hat. Hätt‘ ich Geld wie Heu, würde ich auf jeden Fall diese Farbe nutzen, aber für alle ausgabenbewussten Bastler zeige ich nachher noch eine Alternative 🙂

 

 

Über die unglaublich vielseitigen Einsatzmöglichkeiten von Kreidefarbe hat Annie Sloan vor Kurzem ein Buch herausgebracht: „Alles in Farbe“. Der Name ist Programm – denn nicht nur Holzmöbel lassen sich streichen, die Farbe funktioniert ebenso auf einigen Kunststoff-Arten, auf Leder und Stoffen, Stein und vielem mehr! Quasi alles ist – und ich wiederhole es nochmal, weil ich es wirklich genial finde! – ohne Vorbehandlung sofort anmalbar!

 

In ihrem neuen Buch zeigt Annie Sloan, wie einfach alles in der Wohnung mit Farbe aufgepeppt werden kann – nicht nur Wände und Möbel, sondern auch Fußböden, Textilien, Leuchten, Glas, Jalousien und vieles mehr. In drei Kapiteln präsentiert sie eine Fülle von Ideen und praktischen Tipps für verschiedenste Untergründe. In 40 Projekten mit zahlreichen Fotos erklärt sie Schritt für Schritt unterschiedliche Arbeitsweisen zum Bemalen, Bedrucken, Färben oder Schablonieren; auch ungewöhnlichere Methoden wie beispielsweise der Bildtransfer und das Vergolden werden ausführlich vorgestellt.

 

 

Kalkfarbe an sich ist echt genial. Sie ist umweltfreundlich und basiert auf Wasser, daher ökologisch unbedenklich und nicht giftig sowie frei von Ethylen, Glycol und Blei. Dadurch riecht sie auch nicht und kann auch z.B. für Kinderspielsachen eingesetzt werden. Die Optik der Farbe ist matt und „kreidig“, sie bildet aufgrund ihrer Konsistenz am Ende auch keine plane Oberfläche, sondern empfindet vorhandene Maserungen nach. Das ist vor allem auch schön, wenn man alte Möbel mit Stuck-Verzierungen aufarbeiten will. Durch das Auftragen veredelnder Wachse am Ende kann man aber auch eine gewisse Glanz-Optik erzielen, wenn man denn möchte.

 

 

Die Anleitung fürs „Hängende Regal“ zeigt beispielsweise neben dem Anstreichen von Holz, dass die Farbe auch auf Materialien wie Polyester-Seil gut hält. Die Idee gefällt mir richtig gut, vor allem auch in Kombination mit den bunt umwickelten Schubladengriffen zur Aufhängung, die auch durch ihre Farbigkeit das ganze Regal „zuammenhalten“. Upcycling at its best!

 

 

Eine weitere Einsatzmöglichkeit: Kreidefarbe auf Stoff. Sie eignet sich auch zum kompletten Einfärben von Stoffen, da sie ja in Wasser löslich ist. Im Buch stand leider nichts zu einer späteren Waschmöglichkeit – aber da ja eben wasserlöslich, gehe ich davon aus, dass man den Vorhang nach einem Waschgang dann wieder neu gestalten müsste – das muss einem eben bewusst sein. Aber generell finde ich auch diese Option klasse. Wer schonmal mit üblichen Stofffarben wie simplicol & Co gefärbt hat, weiß, dass diese viel teurer sind und die Anwendung nicht gerade komfortabel. Kreidefarbe stellt also auch hier eine gute – wenn auch zeitlich begrenzte – Alternative da. Neben großflächigem Farben oder sogar dem Batiken eignet sie sich außerdem auch für Textilstempel.

 


Richtig toll ist auch die Anwendungsmöglichkeit der Farbe auf Polsterstoffen – wer schonmal einen Stuhl neu bezogen hat, der weiß auch, wie aufwändig das Ganze sein kann. Das Muster des gezeigten 60er-Jahre-Stuhls ist ja wirklich stilgebend für die Epoche (weniger diplomatisch ausgedrückt: scheußlich!), doch in Kombi mit dem unregelmäßig aufgegrtagenen Blauton finde ich es wirklich ziemlich cool!

Fazit zu „Annie Sloan – Alles in Farbe“

Abschließend kann ich sagen: ein Buch, aus dem man unglaublich viele tolle Ideen mitnehmen kann und das wirklich zeigt, dass Kreidefarbe ein tolles Werkzeug ist. Die gezeigten Tipps und Beispiele sind vielfältig, übersichtlich und leicht nachzuarbeiten und auch, wenn Annie selbstverständlich immer ihre eigenen Produkte fokussiert, gibt es die ein oder andere Alternativlösung 😉 Die gezeigten Beispiele mögen nicht jedermanns Geschmack treffen, aber die Farben und Muster sind so umfangreich, dass für jeden Stil etwas dabei sind dürfte. Ich würde es mit dem Anmalen pro Raum auch nicht übertreiben, denn die intensive Farbe braucht Raum, sich zu entfalten. „Alles in Farbe“ macht es einem leicht, Lust auf das nächste Bastelprojekt zu bekommen – auch, wenn man vielleicht zwei linke Daumen hat, ist das Prozedere in vielen Fällen so einfach, dass ein Erfolgserlebnis trotzdem drin ist!

Angeregt von der Lektüre bin auch ich ein ganz kleines Kalkfarbe-Projekt angegangen. Ich hab‘ in unserem Bücherschrank im Schlafzimmer eine kleine Beauty-Ecke mit einem Kästchen, in dem ich Deo, Bodylotion, Parfum etc. lagere. Das Schubladenkästchen selbst ist ungemein praktisch und vom Design eher nichtssagend – was mich aber schon lange gestört hat, sind die kindergarten-artigen Griffmulden und auch die Farbe – brauner Kasten in braunem Regal mit braun gefasstem Spiegel, uäh…  deswegen: ran an das Teil!
Vorhin habe ich ja schon geschrieben, dass ich eine günstigere Alternative zu den Annie Sloan Farben gefunden habe: nämlich Rust-Oleum Kreidefarben. Über die bin ich im Baumarkt schon vor längerer Zeit gestolpert und habe damals einen Rotton gekauft. Zum Vergleich: 125 ml Rustoleam-Farbe kosten 5,99 € und sind in allen gängigen Baumärkten erhältlich. Auch Speziallacke („Crackle“) und Möbelwachse hat die Marke im Angebot. Annie Sloan Chalk Paint TM habe ich nur online gefunden, dort kosten 100 ml 6,90 € und die Versandkosten kommen noch dazu. Um einzuschätzen, wieviel ml ihr circa braucht: das Nachtkästchen am Ende des Posts habe ich mit eineinhalb Pöttchen „Ziegelrot“ in zwei Schichten gestrichen. Die Farbe lässt sich super verarbeiten – stinkt nicht, lässt sich problemlos auftragen, deckt in zwei Schichten komplett und trocknet sehr schnell.

Upcycling Schubladenkasten mit Kreidefarbe

 

Rostoleum Eukalyptus

 

Ich hab zunächst die Schubladen einfach umgedreht. Dann auf der jeweils anderen Seite ein Loch für den neuen Griff gebohrt. Anschließend habe ich das Kästchen ganz leicht mit „Eukylyptus“, einem minzblauen Ton, gestrichen und mithilfe eines Schwammes verwischt, so dass das Kästchen quasi nur lasiert wurde und die Maserung je nach Lichteinfall noch durchschimmert. Ihr seht den Unterschied auf den letzten Bildern ganz gut. Anschließend kam noch eine Schicht Naturwachs zum Versiegeln darüber, dass ich eh noch vorrätig hatte, da ich es immer mal wieder brauche. Der nette Nebeneffekt: es riecht auch soooo gut nach Wald 😀
Die Suche nach Schubladenknöpfen, die mir gefallen, hat wirklich lang gedauert – im Endeffekt habe ich mich für Lederschlaufen entschieden, für die ich einfach einen alten Gürtel zerlegt habe. Das Endergebnis gefällt mir richtig gut, und abzüglich der Trocknungszeit hat mich das Gepinsele vielleicht eine Stunde gekostet – ihr seht, wirklich easy-peasy!

Ich habe allerdings gerade noch den „Fehler“ gemacht, mich auf der Website von Rustoleum umzugucken – dort wird ein Tischchen in einem hübschen Shabby-Lachsrot-Ton mit einer kombinierten Vintage-Landkarte auf der Oberfläche geziegt… das gefällt mir auch supergut und dann würde das Kästchen farblich auch zu meinem Nachtkästchen passen… hmm! Das hab ich nämlich schon vor längerer Zeit mit „Ziegelrot“ gestrichen, weil es wegen relativ langer Kellerlagerung in unbehandeltem Zustand einfach nicht mehr schön gewesen wäre.

Insofern: definitv wird das nicht mein letztes Projekt mit Kreidefarbe gewesen sein – vielleicht zeige ich euch schon bald das Schubladenkästchen 2.0! 😀

 

Rostoleum Ziegelrot Kreidefarbe Chalk Paint

Nachtkästchen mit Rostoleum „Ziegelrot“

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3 Comment

  1. Reply
    Jenni
    6. Juni 2017 at 8:03

    Liebe Kati,

    das klingt in der Tat nach einem sehr inspirierenden Buch – danke dir für die Vorstellung!
    Obwohl ich bei solchen Dingen eher die Person bin, die sich das Wissen im Internet zusammenkratzt und nach der „Wird-schon-schiefgehen“-Methode arbeitet, finde ich es immer wieder spannend, solche Anleitungen (die dann ja doch etwas fundierter sind) zu konsultieren, was DIY anbelangt – vor allem, wenn mit Farbe gearbeitet wird (wo man ja einigermaßen schnell etwas versauen kann).

    Kreidefarbe und das Arbeiten damit steht schon seit einiger Zeit auf meiner Wunschliste – denn wir haben hier so quietschgrüne Stühle, die ich nun leider gar nicht mehr abkann und für die es keinen passenden Überzug auf dem Markt gibt (ich kann leider nicht nähen und habe ehrlich gesagt auch keine Motivation, mir das beizubringen). Von daher bleibt da entweder das Verkaufen oder das Neu-Bepinseln mit Farbe. Beides mag der Herzmann noch gar nicht so gerne hören, aber ich denke, bis ich meinen Dickkopf durchgesetzt habe, ist es nur eine Frage der Zeit… 😀
    (Ich wäre ja voll für das Bepinseln! Generell liebe ich es, alles Mögliche anzustreichen.)

    Liebe Grüße
    Jenni

  2. Reply
    Maria Widerstand
    6. Juni 2017 at 19:54

    Hallo Kati,

    ich habe schon einige Male Möbelstücke gesehen, die mit Kreidefarben bemalt waren. Sieht wirklich großartig aus! Deine Kommode sieht auch super schön aus finde ich, ein tolles makeover!

    Danke fürs Verlinken zu EiNaB!

    lg
    Maria

    PS: Dieser Beitrag würde auch gut zu fix it passen, falls Du Lust hast bei mir zusätzlich zu verlinken.

  3. Reply
    Daniela Schwarzböck
    23. Juni 2017 at 10:58

    Wow, die Kommode sieht ja richtig toll aus. Mit Kreidefarben hab ich bislang noch nicht gearbeitet, aber die Ideen aus dem Buch gefallen mir.

    Liebe Grüße, Daniela

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